Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Streit in der Familie, Konflikte am Arbeitsplatz, Auseinandersetzungen unter Freunden …
Versöhnung, Vergebung, Umkehr, Dialog – darüber sprechen und diskutieren wir oft. Aber wie können wir mit Konflikten wirklich umgehen? Wie können wir einen Weg zur Versöhnung finden?
Jesus spricht heute von einer schwierigen Situation. Der Evangelist Matthäus erzählt uns davon in seinem Evangelium (Mt 18,15–20). Dieser Text begegnet uns in der Sonntagsliturgie. Ein Mensch hat sich gegen seinen Bruder versündigt. Was soll man tun? Sofort zur Rede stellen? Sofort Konsequenzen ziehen? Sofort den anderen verurteilen? Jesus zeigt uns einen anderen Weg. Der erste Schritt ist: „Geh und weise ihn unter vier Augen zurecht.“ (V. 15) Unter vier Augen. Das bedeutet: hingehen, mit ihm reden und ihm auch zuhören. Das ist nicht leicht. Es ist schwer, gerade mit dem Menschen, mit dem wir einen Konflikt haben, das direkte Gespräch zu suchen. Ein solches Gespräch gelingt nicht immer sofort. Es braucht Zeit, Mut und Geduld. Vor allem aber braucht es die Bereitschaft zur Versöhnung. Jesus sagt weiter: „Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen.“ (V. 15) Wie viele Beziehungen scheitern daran, dass jeder das letzte Wort haben will. Wie viele Konflikte bleiben bestehen, weil niemand den ersten Schritt machen möchte?
Jesus spricht heute auch davon, dass dort, „wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“, er mitten unter ihnen ist (V. 20). Christus selbst kann in unserer Mitte sein, wenn zwei Menschen ehrlich miteinander sprechen; wenn jemand den Mut hat, um Vergebung zu bitten; wenn einer sagt: „Es tut mir leid“; wenn ein anderer antwortet: „Ich vergebe dir“; wenn Menschen nach einem Streit wieder aufeinander zugehen. Dort ist Christus mitten unter ihnen.
Vielleicht können wir selbst darüber nachdenken: Gibt es einen Menschen, mit dem wir einen Konflikt klären sollten? Gibt es etwas, das wir schon zu lange mit uns herumtragen? Und gibt es jemanden, der vielleicht darauf wartet, dass wir den ersten Schritt machen? Wir Christen gehören zusammen. Wir sind Schwestern und Brüder. Deshalb sind wir eingeladen, einander mit einem ehrlichen Wort, einem offenen Gespräch und, wenn es nötig ist, mit der Bitte um Vergebung zu begegnen. Wir dürfen darauf vertrauen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Am 8. September feiert die Kirche das Fest der Geburt der Gottesmutter Maria. Marias Leben war nicht frei von Fragen, Unsicherheiten und Herausforderungen. Und doch ließ sie sich von Gott führen. Sie steht für Vertrauen, Hoffnung und die Bereitschaft, Ja zu Gottes Willen zu sagen. Sie hat ihr Herz für Gott geöffnet und sich auf seinen Weg eingelassen. Wie Maria dürfen auch wir darauf vertrauen, dass Gott mit uns unterwegs ist – selbst dann, wenn wir seinen Weg noch nicht erkennen können. Möge das Fest Mariä Geburt uns Mut und Zuversicht schenken.
Möge sie uns begleiten – in unserem persönlichen Leben, in unseren Familien und in unseren Gemeinden.
P. Abraham Muttethazhath MCBS















